Als wir im Jahre 2000 begannen, ein kleines Häuschen auf Guanaja zu bauen, ging das so: das Baumaterial mußte am Festland bestellt werden und kam dann mit dem Frachtschiff auf die Insel. Die Bestellung selbst lief so ab: man ging in das Büro der staatlichen Telefongesellschaft Hondutel, in der sich drei Telefonzellen befanden. Man gab der Dame am Schalter die Nummer der Person, die man gern erreichen wollte, stellte sich in einer Schlange an und wartete geduldig. Solange, bis die Dame dann die gewünschte Verbindung für einen hergestellt hatte und einem eine der Telefonzellen zuwies.
Man gab die Bestellung, sagen wir, für 100 Sack Zement ab, bekam den Preis genannt und die Kontoverbindung des Zementhandels. Dann ging man zur Bank, stellte sich dort in die Schlange, bis man dort den gewünschten Betrag einzahlen konnte. Mit der Quittung ging es wieder zurück zu Hondutel. Dort versandte die (manchmal auch) nette Dame die Quittung per Fax an die gewünschte Faxnummer. Dann war der halbe Tag um.
Erst vor wenigen Jahren bekam Hondutel Konkurrenz. Der Gesetzgeber hatte die notwendigen Gesetze erlassen, damit auch private Telekommunikationsgesellschaften auf den Markt durften. Dann ging alles ziemlich schnell. Tigo, Claro und auch Digicel kämpfen heute um Marktanteile bei den Handys. Nur Hondutel selber hat den Markt des Mobilfunks verschlafen. Es gibt eigentlich niemanden mehr in Honduras, der kein Mobiltelefon besitzt. Selbst in den abgelegensten Dörfern hat jeder Feldarbeiter so ein kleines Gerät in seiner Hosentasche. Wer Zweifel hatte, das Mobilfunktelefone in einem armen Entwicklungsland keine große Zukunft haben, der hat sich getäuscht.
Mit dem Internet ist das ähnlich. Am Festland gibt es zahlreiche Internetprovider, die sich gegenseitig Konkurrenz machen.
Auf Guanaja allerdings gab es lange nichts. Diejenigen, die auf Internet angewiesen waren, wichen auf satellitengestützte Systeme aus, die von den USA aus operieren. Globalnet war der erste honduranische Provider, der auf die Insel kam. Das Internet war zwar nicht schnell, und es fiel auch schon mal für einen oder mehrere Tage aus, aber man erwartet am Ende der Welt keine Perfektion. Es war Internet, es war einigermaßen schnell und es funktionierte -nun ja: meistens.
Seit vier Wochen funktioniert Globalnet auf Guanaja nicht mehr. Informationen darüber, was passiert ist und wann oder gar ob die Gesellschaft die Insel in Zukunft wieder versorgen wird, gibt es nicht. Gerüchte kursieren, dass Globalnet Anlagen der staatlichen Hondutel nutzt und die dafür fällige Nutzungsgebühr nicht bezahlt hat. Daraufhin hat Hondutel Globalnet abgestellt. Nun soll die Gebühr bezahlt worden sein, aber niemand stellt den Service wieder an.
Will Hondutel einen lästigen Wettbewerber auf diese Weise kaltstellen? Vielleicht hat Globalnet aber auch das Interesse an Guanaja und seinen, sagen wir: 30 Kunden verloren.
Niemand weiß etwas Genaues. Alle kaufen sich nun ein kleines Modem der Mobilfunkgesellschaft Tigo - allerdings wird die Verbindung immer langsamer, je mehr Nutzer diese Möglichkeit nutzen. Das Herunterladen einer Zeitung dauert 2 bis 3 Stunden. Das Aufrufen einer Website dauert zwischen 1 und 10 Minuten. Bei diesen Geschwindigkeiten werde ich zum Meister des "multi-tasking".
Und Bilder gibt es jetzt auch erst mal keine....bis die Insel wieder anständig an den Rest der Welt angeschlossen ist.
Frohe Weihnachten!
Montag, 21. Dezember 2009
Samstag, 12. Dezember 2009
Das Problem Zelaya
Die Präsidentenwahl ist gelaufen, ein großer Teil der internationalen Gemeinschaft wird die Wahl anerkennen, der Weg ist frei für einen politischen Neuanfang. Nur Manuel Zelaya ist noch da. Er sitzt immer noch in der brasilianischen Botschaft, hinter mit Alufolie abgedichteten Fenstern, die ihn vor vermeintlich schädlicher Bestrahlung schützen sollen und wird den Brasilianern langsam lästig.

Foto: www.laprensahn.com
Er könnte natürlich jederzeit die Botschaft verlassen, müßte aber dann mit seiner Verhaftung rechnen. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklage fertig. Hochverrat, Untreue und Verfassungsbruch sind nur einige der 15 Anklagepunkte gegen seine Person.
Die internationale Gemeinschaft möchte eigentlich nicht, dass Herr Zelaya auf die Anklagebank muss. Das würde wieder politische Unruhe bringen, die das Land zur Zeit gar nicht gebrauchen kann. Mexiko hat daher vor einigen Tagen ein Flugzeug nach Honduras geschickt, um Herrn Zelaya abzuholen. Die derzeitige Regierung unter Roberto Micheletti verlangte allerdings, dass Zelaya in Mexiko um Asyl bat oder eine entsprechende Erklärung unterzeichnete. Dieser lehnte ab, das Flugzeug flog daraufhin leer zurück.
Nun lese ich heute, dass der neu gewählte Präsident Porfirio Lobo sich mit Manuel Zelaya treffen will. In der Dominikanischen Republik.
Diese Meldung wirft Fragen auf.
Beide befinden sich in Honduras, warum können sie sich nicht dort treffen?
Auf welcher Grundlage darf Herr Lobo davon ausgehen, dass die Regierung Herrn Zelaya ausreisen läßt? Er selber hat nicht die Befugnis, eine Ausreise Zelayas zu genehmigen.
Man arbeitet offenbar gerade daran, das Problem Zelaya zu lösen und dem Mann einen Weg ins Ausland zu ebnen. Die Hintergründe des "deals" wird der Normalbürger wohl nie erfahren werden. Die Federführung dieses Geschäfts liegt allem Anschein nach bei den Amerikanern. Deren Staatssekretär im Außenministerium Craig A. Kelly war nämlich gerade in der Dominikanischen Republik und hat das Problem mit dessen Präsident Leonel Fernandez besprochen.
Da liegt was in der Luft...
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